Stärken, was alle stärkt

Statement von Ramona Pop zum Jahresbericht 2025

Ramona Pop steht hinter einem weißen Tisch

Quelle: Plambeck - vzbv

Mit wenigen Klicks erledigen wir unsere Einkäufe, buchen Arzttermine online und wenden uns bei Problemen mit einem Produkt zunächst an einen Bot im Kundenservice. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz verändern unseren Alltag spürbar. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bietet das viele Vorteile beispielsweise können sie ihren Alltag unabhängig von Öffnungszeiten und ohne lange Wege organisieren. Es birgt aber auch Risiken und Einfallstore für Betrug, etwa durch Fakeshops und Phishing. Anhaltende strukturelle Probleme, wie teure Lebensmittel, hohe Energiepreise oder ein unzuverlässiger ÖPNV erhöhen die Sorgen der Menschen zusätzlich. 

Als Verbraucherzentrale Bundesverband haben wir Ende 2025 eine Befragung durchführen lassen, um von Verbraucherinnen und Verbrauchern zu erfahren, wie es ihnen mit Blick auf das Jahr 2026 geht. Über die Hälfte (52 Prozent) hat geantwortet, dass sie eher negativ auf 2026 blickt. 

Höchste Zeit für die Politik, aktiv zu werden. Es kommt darauf an, Verbraucherinnen und Verbraucher mitzunehmen und verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sie ihren digitalen Alltag sicher gestalten können. Das stärkt jeden und jede Einzelne, und auch die Gesellschaft insgesamt.

Koalitionsvertrag bietet Chancen für Verbraucheralltag

An Lösungsvorschlägen mangelt es nicht. Im Bundestagswahlkampf 2025 und in den anschließenden Koalitionsverhandlungen haben wir Lösungen für die Alltagsprobleme der Menschen vorgeschlagen. Viele der Themen finden sich im Koalitionsvertrag wieder: Mehr als 100 verbraucherpolitische Vorhaben hat sich die Bundesregierung vorgenommen – darunter die Sicherung des Deutschlandtickets und die Reform der privaten Altersvorsorge. Entscheidend ist nun, dass bei Verbraucherinnen und Verbrauchern auch konkrete Veränderungen ankommen, die ihren Alltag verbessern. 

Einige Themen sind im Koalitionsvertrag zu kurz gekommen. Dazu gehören insbesondere die hohen Lebensmittelpreise. Seit 2020 sind sie um mehr als 35 Prozent gestiegen. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung darf keine Frage des Geldbeutels sein. Die Bundesregierung muss hier nachsteuern und für mehr Transparenz bei den Lebensmittelpreisen sorgen. Nur so können ungerechtfertigte Erhöhungen erkannt werden.

Shopping 4.0 – aber bitte sicher

Ein anderes Thema, wo es viel Handlungsbedarf gibt, ist Online-Shopping, und zwar nicht nur im Lebensmittelbereich. Für viele gehört Online-Shopping zum Alltag: Es gibt fast nichts, was es online nicht gibt, und mit ein paar Klicks liegt das gewünschte Produkt innerhalb weniger Tage vor der Haustür. Das ist erstmal praktisch und hat viele Vorteile. Problematisch wird es, wenn Anbieter manipulative Designs nutzen, um Verbraucherinnen und Verbraucher dazu zu bewegen, etwas zu kaufen, was sie gar nicht wollten. Ebenso problematisch ist es, wenn Plattformen nicht alle Informationen zu Händlern und Produkten zur Verfügung stellen. Ein großes Problem sind zudem Fakeshops, die immer professioneller aussehen. Nahezu jede und jeder achte Online-Shopper ist in den vergangenen zwei Jahren auf einen Fakeshop reingefallen. Betrügerinnen und Betrüger schalten beispielsweise bei Google oder Meta Werbung für ihre dubiosen Shops und erzielen so große Reichweiten. Damit Verbraucherinnen und Verbraucher von den Möglichkeiten, die das digitale Einkaufen bietet, ohne Risiken profitieren können, muss die Politik handeln. Sie sollte die Plattformen stärker in die Verantwortung nehmen. 

Mehr zu unserer Arbeit im Bereich Shopping 4.0, der Bundestagswahl 2025, Informationen aus allen Fachbereichen sowie Zahlen und Fakten finden Sie in unserem Jahresbericht. 

Ich wünsche viel Spaß bei der Lektüre! 

Ramona Pop
Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands

Jahresbericht 2025 des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Redaktionsschluss: März 2026